Ist die Natur Bedarfsgerecht? - Genug für meinen Hund?
👉Über wissenschaftliche Bedarfswerte, natürliche Ernährung und meinen persönlichen Anspruch an eine gute Fütterung
Wenn ich auf meinen beruflichen Alltag als Tierernährungsberaterin schaue, fällt mir immer wieder eines auf: Das Interesse an einer möglichst gesunden Ernährung für den eigenen Hund wächst stetig.
Hundehalter machen sich mehr Gedanken, hinterfragen die Zusammensetzung des Futters und möchten verstehen, was eigentlich im Napf ihres Hundes landet. Die Ansprüche steigen – und das finde ich sehr schön.
Sicherlich trägt auch die heutige Informationsflut dazu bei. Internet, Social Media und inzwischen auch KI liefern uns nahezu unbegrenzt Informationen. Man kommt als Hundehalter kaum noch daran vorbei, sich zumindest ein wenig mit dem Thema Ernährung auseinanderzusetzen.
Die eigentliche Herausforderung besteht allerdings darin, diese Informationen richtig einzuordnen.
Denn jeder darf seine Meinung veröffentlichen. Aber woher kommt diese Meinung? Welchen fachlichen Hintergrund hat die Person? Spricht sie aus eigener Erfahrung, aus einer fundierten Ausbildung heraus oder gibt sie lediglich etwas wieder, das sie irgendwo gelesen hat?
Das sind Fragen, die man sich durchaus stellen darf.
Durch meine Ausbildung, meine berufliche Tätigkeit und meine persönlichen Erfahrungen bringe ich ein umfangreiches ernährungsphysiologisches Grundwissen mit. Dieses Wissen bildet die Grundlage meiner Beratung. Aber auch meine persönlichen Ansprüche, meine Überzeugungen und meine Erfahrungen fließen selbstverständlich in meine Beurteilung ein.
Ich möchte in diesem Blog-Beitrag erklären, worauf meine Sichtweise beruht, was ich unter einer guten Hundeernährung verstehe und weshalb ich persönlich einen möglichst natürlichen Ernährungsweg bevorzuge.
Dabei geht es mir ausdrücklich nicht darum, andere Fütterungsformen, Hersteller oder Menschen abzuwerten. Ich möchte vielmehr zum Nachdenken anregen und dazu ermutigen, eigene Ansprüche an die Ernährung des Hundes zu entwickeln.
TEIL 1 – Was braucht ein Hund eigentlich?
Über Grundbedarfe, wissenschaftliche Studien und die Entstehung von Referenzwerten
Woher wissen wir, was ein Hund braucht?
Wer sich mit Hundeernährung beschäftigt, stößt früher oder später auf wissenschaftliche Bedarfswerte und entsprechende Tabellenwerke.
Eines der bekanntesten ist die sogenannte NRC-Tabelle. Sie basiert auf den wissenschaftlichen Erkenntnissen des National Research Council und ist eine wichtige Grundlage für die Beurteilung des Nährstoffbedarfs von Hunden.
Diese Werte sind keineswegs unwichtig. Im Gegenteil! Sie geben uns eine wertvolle Orientierung darüber, welche Nährstoffe ein Hund benötigt, welche Mengen erforderlich sind und welche Nährstoffgehalte unterschiedliche Lebensmittel mitbringen.
Hinter diesen Empfehlungen stehen zahlreiche wissenschaftliche Untersuchungen, die sich mit einzelnen Nährstoffen, deren Funktionen, Verfügbarkeit und Verwertung beschäftigen.
Es wurde beispielsweise untersucht, welche Nährstoffe Muskelfleisch vom Rind mitbringt, wie sich Lammfleisch zusammensetzt, welche Vitamine und Mineralstoffe in Leber enthalten sind und welche Inhaltsstoffe wir in Karotten, Äpfeln oder anderen Lebensmitteln finden.
Auch solche Erkenntnisse sind wichtig, wenn wir eine Ration zusammenstellen und beurteilen möchten.
Allerdings sollte man verstehen, was diese Tabellen tatsächlich aussagen und wie sie zustande kommen.
Die NRC-Werte sind keine einfache Durchschnittsberechnung sämtlicher untersuchter Hunde. Vielmehr werden unterschiedliche wissenschaftliche Erkenntnisse zusammengeführt, bewertet und daraus verschiedene Referenzgrößen abgeleitet. Dazu gehören beispielsweise Mindestbedarfswerte und empfohlene Versorgungsempfehlungen.
Auch in Europa gibt es wissenschaftlich arbeitende Fachgremien, die Ernährungsempfehlungen für Hunde und Katzen erarbeiten und regelmäßig überprüfen. Dabei fließen internationale Studien, ernährungswissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Anforderungen ein.
Die beteiligten Tierärzte und Wissenschaftler verfügen meist über eine sehr spezialisierte Expertise im Bereich der Tierernährung. Das möchte ich ausdrücklich anerkennen.
Und trotzdem darf man Fragen stellen.
Sind Laborwerte automatisch auf jeden Haushund übertragbar?
Ein Gedanke, der mich dabei immer wieder beschäftigt:
Viele wissenschaftliche Untersuchungen finden unter kontrollierten Bedingungen statt. Das ist für die Forschung notwendig und sinnvoll. Nur so lassen sich einzelne Einflussfaktoren möglichst genau untersuchen.
Aber wie gut lassen sich solche Erkenntnisse auf unseren Alltag übertragen?
Ein Hund, der unter kontrollierten Bedingungen gehalten wird, hat möglicherweise andere Lebensbedingungen als ein Familienhund, ein Jagdhund oder ein Hund, der regelmäßig im Sport geführt wird.
👉 Studien und Erkenntnisse über Stress in Bezug auf die Verdauungsleistung gibt es genug und auch die Kommunikation zwischen Hirn und Darm ist nicht mehr zu leugnen.
Unsere Hunde bewegen sich unterschiedlich viel, leben in unterschiedlichen Umgebungen, haben unterschiedliche genetische Voraussetzungen und bringen ganz unterschiedliche Stoffwechselbedingungen mit.
Bedeutet das automatisch, dass ein Hund unter Laborbedingungen einen anderen Nährstoffbedarf hat? Nein, das lässt sich nicht pauschal sagen. Aber es ist durchaus eine Überlegung wert, wie gut allgemeine Referenzwerte die Vielfalt unserer Haushunde abbilden können, die Bedarfsspanne ist einfach zu groß.
Wenn aus einer Orientierung ein fixer Wert wird:
Was mich persönlich etwas beschäftigt, ist die Entwicklung, dass wissenschaftliche Referenzwerte teilweise wie unverrückbare Grenzen behandelt werden.
Ein Futter soll bestimmte Nährstoffgehalte erfüllen. Das ist grundsätzlich nachvollziehbar. Schließlich möchte ein Hundehalter sicher sein, dass sein Hund über sein Futter ausreichend mit allen lebensnotwendigen Nährstoffen versorgt wird.
Und genau hier entsteht für mich ein Spannungsfeld.
Es gibt Hersteller, die sich bewusst bemühen, hochwertige Rohstoffe möglichst naturbelassen zu verarbeiten und auf eine umfangreiche synthetische Ergänzung zu verzichten.
Sie setzen beispielsweise auf Fleisch, Innereien, Gemüse, pflanzliche Öle, Kräuter und andere natürliche Zutaten, um eine möglichst vielseitige Nährstoffversorgung zu erreichen.
Doch natürliche Rohstoffe unterliegen Schwankungen. Ihre Nährstoffgehalte können je nach Herkunft, Anbau, Tier, Verarbeitung und Lagerung unterschiedlich ausfallen.
Das bedeutet, dass sich nicht jeder Nährstoffgehalt allein anhand einer Zutatenliste zuverlässig bestimmen lässt.
Und genau hier stellt sich mir die Frage:
Wird ein solches Futter automatisch schlechter, nur weil sich bestimmte Nährstoffgehalte nicht so exakt nachweisen lassen wie bei einer Rezeptur, in der einzelne Vitamine und Mineralstoffe gezielt zugesetzt wurden?
Ich finde, darüber darf man diskutieren.
Natürlich muss gewährleistet sein, dass ein Alleinfuttermittel den Hund bedarfsdeckend versorgt. Das ist eine wichtige Voraussetzung und keine Nebensächlichkeit.
Aber ich wünsche mir, dass bei der Beurteilung eines Futters nicht ausschließlich die Zahlen im Vordergrund stehen, sondern auch die Qualität der Rohstoffe, ihre natürliche Zusammensetzung und ihr ernährungsphysiologischer Wert.
Auch Wissenschaft darf hinterfragt werden
Ich möchte an dieser Stelle ausdrücklich betonen: Ich bin nicht gegen Wissenschaft. Im Gegenteil. Wissenschaftliche Erkenntnisse sind eine wichtige Grundlage meiner Arbeit.
Aber ich bin dafür, auch wissenschaftliche Empfehlungen und bestehende Bewertungssysteme ab und an zu hinterfragen.
Dazu gehört für mich auch die Frage nach der Unabhängigkeit von (manchen) Gremien und Forschung.
Viele wissenschaftliche Untersuchungen sind auf finanzielle Unterstützung angewiesen. Forschung kostet Geld, Wissenschaftler müssen bezahlt werden und Einrichtungen benötigen Finanzierung.
Das ist zunächst einmal nichts Verwerfliches.
!!! Aber wenn Unternehmen Forschung finanzieren oder wirtschaftliche Interessen im Hintergrund stehen, darf man durchaus fragen, wie mit möglichen Interessenkonflikten umgegangen wird.
!! Das gilt übrigens nicht nur für Wissenschaftler. Auch wir Ernährungsberater sind nicht automatisch vollkommen objektiv. Jeder von uns hat Erfahrungswerte, persönliche Überzeugungen und möglicherweise Hersteller, deren Produkte er bevorzugt, weil er von ihnen überzeugt ist und gute Erfahrungen gemacht hat.
Auch ich nehme mich davon nicht aus.
Mir ist nur wichtig, dass wir uns dieser Tatsache bewusst sind.
Ich möchte keine Personen, Unternehmen oder Gremien kritisieren. Ich möchte zum Hinterfragen anregen. Denn nur weil etwas wissenschaftlich untersucht, in Zahlen ausgedrückt und in einer Tabelle festgehalten wurde, bedeutet das nicht automatisch, dass damit jede individuelle Situation vollständig erfasst ist.
**Nach meinem Dafürhalten sind Wissenschaftliche Bedarfswerte wichtig. Aber sie sind nicht das einzige Kriterium, nach dem ich die Qualität einer Hundeernährung beurteile.**
*KI-unterstütze Formulierung